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Erfahrungsbericht Joel Marc Lüthi

Heurechen vor offenem Fenster

Landdiensteinsatz bei Familie Gasser, Staudenhof, in Präz

Mein Name ist Joel Marc Lüthi, ich bin sechzehn Jahre alt und wohne im Kanton Aargau. Da ich mit meinen Eltern und meinem Bruder schon seit elf Jahren in die Skiferien an den Heinzenberg fahre und wir jeweils unsere Ferienwohnung bei der Familie Gasser mieten, kenne ich die Bauernfamilie bereits. Ich war letzten Sommer schon im Landdiensteinsatz bei der Familie Patrik und Andrea Gasser und es hat mir sehr gut gefallen sowie natürlich auch jedes Jahr die Skiferien!

Somit bin ich wieder am Sonntag, 14. Juli, mit dem Zug nach Thusis im Kanton Graubünden gefahren und habe meine Hasen Lilli und Barbabo mitgenommen. Patrik hat mich beim Bahnhof abgeholt und wir fuhren nach Präz zum Staudenhof, wo ich ein Zimmer in einer kleinen Wohnung zugeteilt bekam, in der ich mich auch einrichtete. Die Familie vermietet ganzjährig eine Ferienwohnung auf dem Hof und zusätzlich im Sommer das Maiensäss sowie den Zirkuswagen als B&B. Patrik und Andrea Gassser haben drei Kinder.

Ziege lasst sich das Bergheu schmecken

Der Montagmorgen begann bei mir um 6.45 Uhr mit Frühstück. Nach dem Frühstück mistete ich den Ziegenstall aus, den die Ziegen im Winter benutzten. Natürlich waren die Kühe, die Ziegen, die Schafe und die Zwergziegen auf der Weide. Das Pony Moritz und das Pferd Cina waren am Tag, infolge zu vieler Bremsen und Fliegen, im Stall und nachts auf einer Weide. Sonst leben noch auf dem Bauernhof Gänse, Enten, Hühner, Kaninchen, Katzen und Hunde. Nach dem Mittagessen fuhren ich und Patrik zum Maiensäss Rüs 1700 m ü. M. hinauf. Wir bereiteten den Motormäher und den Trimmer vor und fingen an Gras zu mähen. Da Patrik auf unebenen Flächen schnitt, konnte er nicht überall mit dem Motormäher hinkommen, weil es entweder zu steil oder zu eng war. Ich mähte vor allem bei steilen Abhängen und Strassenborten.

Am nächsten Tag pflückte ich Gras für meine Hasen, gab ihnen frisches Wasser und mistete jeden Morgen den Pferdestall aus. Danach bin ich mit Andrea zu den Ziegen und den Schafen gefahren, um zu schauen, ob alles in Ordnung war. Wir prüften die Zäune, die Menge an Gras und schauten, ob das Wasser reicht. Auch achteten wir auf die Gesundheit und den allgemeinen Zustand der Tiere. Anschliessend fuhren wir weiter ins Maiensäss. Mit der Sonne und mithilfe des Windes ist aus dem gestern gemähten Gras Heu geworden. Den ganzen Morgen rechte ich das Heu entweder zusammen, runter oder rauf, damit es mit dem Transporter und dem Ladewagen gut aufgenommen werden konnte. Ab heute arbeiteten wir zu viert. Andrea, ich und Denise, eine Freundin der Familie, waren mit Heurechen beschäftigt. Die Fahrt mit dem Transporter zum Staudenhof und wieder zum Rüs dauerte etwa eineinhalb Stunden. Das Wetter war wunderbar.

Am dritten Tag hatte ich wieder gerecht und am Abend spürte ich es in den Knochen. Beim Schneiden mit dem Trimmer und beim Rechen rutscht man sehr häufig auf dem Heu aus. Öfter als in meinem ganzen Leben. Aber man landet eigentlich immer weich auf dem Heu. An diesem Tag war ich ziemlich müde. Trotzdem besuchten Patrik und ich am Abend noch einmal die Ziegen. Die beweidete Koppel war kahl gefressen und bevor die Ziegen und Schafe hungerten, konnten sie eine neue, schon vorbereitete Koppel bestossen. Beim Zügeln der Kleinwiederkäuer wurden wir tatkräftig von Noa und Valentin unterstützt. Die beiden sechsjährigen Lausbuben verbrachten in dieser Woche mit ihren Eltern ihre Ferien auf dem Staudenhof. Das Einbinden von interessierten Feriengästen in den Alltag auf dem Bauernhof gehört zur Strategie und ist Imagepflege.

Am Freitag ging es mir wieder besser. Auf dem Maiensäss wurde heute Morgen der letzte Teil der gut 8,5  ha gemäht. Das angewelkte Gras wurde durch ein Lohnunternehmen zu Siloballen gepresst. In Siloballen kann eine grössere Menge Gras gepresst und auch schneller eingelagert werden. Auch liegt der Vorteil im Transport. Der findet meist im Spätsommer statt und mit einer Fahrt kann etwa die fünffache Menge heruntergeführt werden als mit dem Ladewagen. Zum Pressen braucht es einen starken und schweren Traktor und kann nur auf eher flachen, nicht zu steilen Wiesen angewendet werden.

Am Wochenende konnte auch Nils, welcher eine Lehre als Metallbauer absolviert, helfen. Wir luden noch den Rest Heu beim Maiensäss auf. Anschliessend war schon Mittag, weshalb wir auf die Präzer Alp hinauffuhren, um dort etwas zu essen. Mit vollem Bauch und mit dem Heu im Ladewagen fuhren wir wieder runter zum Staudenhof. Zum Abschluss der ereignisreichen Woche fuhren wir noch zu den Ziegen. Die verlassene Koppel konnte zurückgebaut werden. Zuerst löste ich alle Hilfspfosten damit Patrik die Weidenetze ablegen und zusammenrollen konnte. Als alle Zaunpfosten und Netze eingesammelt waren, machten wir Feierabend.

Am Sonntag erholten wir uns von der vergangenen Woche. Die nötigen Arbeiten wie misten und füttern der Heimtiere ist auch am Sonntag Pflicht. Auch einen Blick um das Wohlergehen der weidenden Tiere gehört dazu. Ein besonderes Augenmerk muss am Heinzenberg diesen Sommer den Kleinwiederkäuern wie Schafe und Ziegen gehören. Auf der Präzer Alp wurden Anfang Juni die ersten Ziegen durch einen Wolf gerissen. Die Ziegen waren, wie die Ziegen der Familie Gasser, durch elektrische Weidenetze gesichert. Und vor wenigen Tagen wurden die Bauern am Heinzenberg noch informiert, dass sich ein drittes Wolfsrudel in Graubünden gebildet hat, welches unweit der Alphütte auf der Präzer Alp ihre sieben Jungen in einer Höhle aufzieht.

Als Schutzmassnahme wurde der Weidezaun optimiert. Zuerst trimmte Patrik den Feldrand auf einer Breite von 40 cm. Das hat den Vorteil, dass die Weidenetze besser gesetzt werden können und das hohe Gras den Strom vom Netz nicht ableitet. Wo nötig wurden die Netze zusätzlich noch durch ein höheres Band optisch ergänzt, um den Herdeschutz zu gewährleisten, damit die Wölfe die Ziegen in Ruhe lassen. Auch in der zweiten Woche meinte es Pe trus gut mit den Bauern. Das Wetter zeigte sich wieder von der besten Seite. Also ging es im gleichen Rhythmus weiter. Jedoch wechselten wir unseren Arbeitsort zurück auf Höhe des Dorfs 1230 m ü. M. Am letzten Arbeitstag, also am Samstag, hatte ich Rohrteile geputzt, Plastikrohre halbiert, Unkraut (Disteln) auf einer Kuhweide ausgerissen und eine kleine Fläche getrimmt bis zum Mittag. Wir wuschen auch den Traktor, weil er am Montag noch zu einer Reparatur in die Werkstatt musste.

Diese zwei Wochen haben mir sehr gefallen. Es war zwar sehr streng, dafür konnte man sehr gut einschlafen am Abend. Die Familie Gasser war sehr nett gewesen, die Tiere dagegen schenkten einem nicht wirklich Beachtung. Mir hatte es wirklich sehr gut gefallen und ich würde jedem diese Erfahrung ans Herz legen. Das vergisst man wirklich nie und man lernt viele neue Sachen. Ein Ratschlag wäre noch: Man sollte vor Abreise nachschauen, ob man alles bei sich hat und sich darauf gefasst machen, dass es sehr heiss werden kann. Aber in den Bergen ist es merklich kühler als auf dem Flachland. Man ist den ganzen Tag draussen.

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Auf dem Kartoffelfeld: Schule auf dem Bauernhof

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